Alten- und Pflegeheim Steyr-Ennsleite

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Neubau Alten- und Pflegeheim
Bauherr: GWG Stadt Steyr OÖ
Steyr, Oberösterreich 2011
Baukosten: 14 Mio. EUR

Projektbeschreibung

B VIER Gewinnt einen EU weit offenen Architekturwettbewerb und wird mit der Realisierung des Projektes beauftragt. Die Ergebnisse des Wettbewerbs werden in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherrn weiterentwickelt. In vielen Entwurfsgesprächen mit Heim- und Pflegeleitungen werden deren Bedürfnisse und Wünsche bei der Ausführungs- und Detailplanung berücksichtigt. Bei diversen Besuchen nach Fertigstellung des Gebäudes werden seitens des Pflegepersonals die perfekten Abläufe hervorgehoben. Die Bewohner loben die farbliche Gestaltung der Zimmer und die Möglichkeit über die Einrichtungen im lichtdurchfluteten Atrium am öffentlichen Leben weiter teilnehmen zu können. Gute Architektur bedingt auch und besonders den Dialog mit den zukünftigen Nutzern.

Die Anlage besteht aus zwei Gebäudeteilen: einem 3-geschossigen Atriumhaus und einem 4-geschossigen Hofhaus. Im Erdgeschoss des Atriumhauses befinden sich die öffentlichen Einrichtungen. In den Obergeschossen befinden sich die Pflegestationen mit unterschiedlicher Zimmerzahl. Insgesamt bietet die Einrichtung 120 Langzeit- und 10 Kurzzeitpflegeplätze. Errichtet wurde das Gebäude in Betonskelettbauweise mit vorgefertigten Holzfertigteilaußenwänden. Energetisch erfüllt es den Standard eines Niedrigst-Energiehauses.

Mittelpunkt des Atriumhauses ist eine großzügige Eingangshalle, die über einen Luftraum mit den oberen Wohngruppen verbunden ist. Hier befinden sich die „öffentlichen“ Funktionen wie Café, Veranstaltungssäle, Andachtsraum, Frisör, Therapie, Arzt, Tagespflege, Nachbarschaftshilfe, etc. Die drei Säle lassen sich durch Entfernen der Trennwand mit der Eingangshalle zusammenschließen. Zu besonderen Ereignissen entsteht ein belebter „Stadtplatz“, welcher auch in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Bewohner der oberen Geschosse an den Festivitäten teilhaben lässt.

Die Wohngruppen des Hofhauses sind um einen geschützten Innenhof angeordnet, der im ersten Obergeschoss direkt zugänglich ist und demenzkranken Bewohnern uneingeschränkte Bewegungsmöglichkeit bietet. Vom zweiten Obergeschoss erreichen die mobileren Bewohner einen großzügigen Garten mit Festplatz, Therapiegarten, Sinnespfad und Obstwiese.

An der Schnittstelle der beiden Baukörper am Haupttreppenhaus und Aufzug liegt zentral der Pflegestützpunkt. Daran schließen sich die Essräume der beiden Wohngruppen an. Durch die von Ost nach West durchgehenden Aufenthaltsbereiche entsteht eine große Transparenz im Gebäude. Vorgelagerte Loggien verstärken den Innen-Außen-Zusammenhang.

Zusätzlich bieten kleinere Aufenthaltsbereiche Rückzugsmöglichkeiten vom Tagesgeschehen: farbige Nischen mit Wärmebank und wohnliche Sofagruppen verteilen sich um das Atrium.

Im Inneren schaffen farbige Einbauten und Nischen Anreize und geben Orientierung. Große, runde Leuchten setzen Akzente in den halböffentlichen Aufenthaltsbereichen. Mit klaren Farben sind die für Bewohner und Besucher wichtigen Bereiche hervorgehoben. Aus einer Palette mit 9 Farben wurde für jedes Stockwerk eine Kombination mit farblichem Schwerpunkt entwickelt. Dieses Farbspiel zeigt sich an zentralen Punkten wie dem Pflegestützpunkt, den Bewohnerküchen und Treffpunkten in den Aufenthaltsbereichen. Eingänge zu Nebenräumen bleiben weiß.

Der Orientierungsgedanke durch Farbvariationen setzt sich in den Wohneinheiten fort: drei unterschiedliche Zimmertypen werden kombiniert mit zwei Bädertypen. Die Nischen zu den Wohneinheiten werden farblich hervorgehoben und durch indirekte Beleuchtung betont. Kein benachbartes Zimmer gleicht dem anderen. So erhält jede Wohneinheit seine eigene „Adresse“. Unterschiedlich farbige Markisen lassen das eigene Zimmer auch von außen erkennen.

Fotografisch wurden die gesamte Bauzeit und das fertige Gebäude von Katrin Bernsteiner dokumentiert.

Projektteam

Marion Göbbeler
Lutz Rudolph
Annette Snigula
Mona Steinke

Partner

Fotographie Katrin Bernsteiner http://www.katrin-bernsteiner.com/